Die Lauenhainer Mühle

Die „Lauenhainer Mühle“ war einst einer der bekanntesten Ausflugsorte der sogenannten Mittweidaer Schweiz. Sie lag im Zschopautal zwischen Mittweida und Waldheim und wurde besonders durch die Studenten des Mittweidaer Technikums weit über die Region hinaus bekannt. Ihre Geschichte reicht vermutlich bis ins Mittelalter zurück. Eine der ältesten überlieferten Erwähnungen stammt aus dem Jahr 1293. Als erster namentlich bekannter Besitzer gilt der Müller Simon Findeisen, der 1604 der Kirche in Mittweida eine testamentarische Zuwendung vermachte.

Ab 1772 lässt sich die Geschichte genauer nachvollziehen. Damals erwarb Johann Gottfried Illgen die Mehl-, Schneide- und Ölmühle einschließlich zahlreicher Grundstücke und Gebäude. Sein Sohn ließ die alte Mahlmühle abreißen und errichtete 1829 ein massives Gebäude mit Türen und Fensterbögen aus Porphyr. Neben dem Mahlen spielte auch der Fischfang eine wichtige Rolle, da die Zschopau damals sehr reich an Lachsen und anderen Fischen war. Der Mahlbetrieb wurde später verpachtet, während die Pächter zusätzlich Lebensmittel und Getränke verkauften.

Durch zunehmende Konkurrenz verlor das traditionelle Mühlengewerbe im 19. Jahrhundert an Bedeutung. Deshalb wurde ein Teil des Geländes industriell genutzt. Johann August Grundmann ließ dort eine Pappenfabrik errichten, die 1849 ihren Betrieb aufnahm. Die fertigen Pappen wurden mit Pferdefuhrwerken nach Leipzig transportiert, wobei eine Hin- und Rückfahrt drei Tage dauerte.

Mit der touristischen Erschließung des Zschopautals ab 1880 entwickelte sich die Mühle zu einem beliebten Ausflugsziel. Besucher reisten aus Chemnitz, Leipzig und anderen Orten an. Sie wanderten durch das Tal oder ließen sich mit der Mühlenfähre über die Zschopau setzen. Der Besitzer Hermann Matthäi erkannte die wirtschaftlichen Möglichkeiten und baute den Gastronomiebetrieb aus. 1904 entstand ein schlossähnliches Restaurant mit einem Türmchen. Besonders an Feiertagen wie Pfingsten war die Gaststätte völlig überfüllt. Das benachbarte Talgut „Hedwigslust“ versorgte sie mit landwirtschaftlichen Produkten.

Der Mahlbetrieb wurde 1918 endgültig eingestellt, weil die Räume für die rentablere Pappenfabrik benötigt wurden. Ab 1924 bereitete die Aktiengesellschaft Sächsische Werke den Bau einer Talsperre vor und kaufte das gesamte Anwesen. Ab 1928 wurden die ersten Gebäude abgerissen. Das Restaurant blieb bis zum Schluss stehen. Es schloss am 3. September 1929 und wurde dann ebenfalls abgerissen. Nach der Fertigstellung der Sperrmauer begann im Dezember 1929 der Anstau. Am 11. Januar 1930 wurden Talsperre und Kraftwerk eingeweiht. Damit verschwanden auch die Grundmauern der traditionsreichen Lauenhainer Mühle für immer unter dem Wasser. 

Noch mehr Informationen zur Geschichte der Lauenhainer Mühle sowie viele weitere historische Originalaufnahmen finden Sie im Buch "Mittweida's Historische Kneipen".

Das Buch ist ebenfalls in der Stadtinformation Mittweida (im Rathaus) sowie im T9 am Technikumplatz erhältlich.